Aktuelles -> Projekte -> Die Streuobstwiese

Abschlussbericht der GS Weisendorf zum kooperativen Projekt „Streuobstwiese“ mit dem Obst- und Gartenbauverein Weisendorf von Oktober 2017 bis Oktober 2018

In Zeiten des Klimawandels und der zunehmenden Versiegelung kostbarer Ackerböden bekommt die Forderung des LehrplanPlus in Bayern im Fach Heimat- und Sachunterricht, den Schüler/innen der Grundschule die „Bedeutung der Natur für den Menschen als auch den Einfluss des Menschen auf sie (z. B. in der Landwirtschaft)“ zu vermitteln, immer größere Bedeutung. Denn nur so kann angebahnt werden, dass unsere Kinder „die Notwendigkeit für einen verantwortungsbewussten, nachhaltigen Umgang mit Natur und Umwelt“ verstehen und „konkrete Möglichkeiten“ ableiten. (Siehe LehrplanPlus in Bayern für die Grundschule)

Mehr denn je ist es also bedeutsam und aus den wissenschaftlichen Fächern der ersten vier Schuljahre nicht mehr wegzudenken, dass sich die Mädchen und Jungen mit Phänomenen in der „belebten und unbelebten Natur vor Ort beschäftigen“. Um die große Bedeutung eines respektvollen Umgangs mit der Natur und Umwelt hervorzuheben, hat die Grundschule Weisendorf dies als einen von sechs Schwerpunkten in ihrem Leitbild aufgenommen.
siehe: http://www.gs-ms-weisendorf.de/vs/schulprofil/werte/

Wie viele andere Ziele lässt sich auch dieses wesentlich effektiver und nachhaltiger verwirklichen, wenn sich die Schule mit kompetenten Partnern vernetzt.
Ein ehrenamtliches Team von Schülermüttern unternahm vor zirka drei Jahren einen ersten Schritt zur befruchtenden Zusammenarbeit – im wahrsten Sinne des Wortes – zwischen dem Obst- und Gartenbauverein als „starken Partner“ und der Grundschule.

Foto privat

Gemeinsam mit Frau Angelika Mechtold-Schmitz wurde eine Arbeitsgemeinschaft „Schulgarten“ ins Leben gerufen, die seither das äußere Bild unserer Schule entscheidend positiv verändert hat: Flachbeete wurden angelegt, Hochbeete mit Gemüse bestellt und zahlreiche Obstbäume gepflanzt. Unter fachkundiger Anleitung lernten die Kinder zu hacken, umzugraben, zu wässern, Sträucher, Blumen und Bäume anzupflanzen und zu pflegen. Die Arbeitsgemeinschaft „Schulgarten“ hatte derart großen Zulauf, dass die Kinder sogar in zwei Gruppen aufgeteilt werden mussten. (In diesem Zusammenhang suchen wir händeringend neue Freiwillige, die für ein Vierteljahr einmal pro Woche die Arbeitsgemeinschaft fortsetzen.)

Die Idee, im Obst- und Gartenbauverein Weisendorf die Zusammenarbeit mit der ortsansässigen Schule zu intensivieren, reifte Anfang 2018. Mit einem perfekt ausgearbeiteten Konzept trafen sich Frau Mechthold-Schmitz, Herr Segschneider, Herr Steinbrich und Frau Pförtner mit Frau Pausch, der Schulleitung der Grundschule. Rasch wurde deutlich, dass man auf beiden Seiten offene Türen antraf und gemeinsam das gleiche Ziel verfolgte: „Die Kinder sollen Streuobstwiesen als wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten kennenlernen. Ihnen sollen Mittel und Wege eröffnet werden, die Streuobstwiese zu erforschen,“ so der LehrplanPlus in Bayern. Alle Ergebnisse sollen möglichst nachhaltig dokumentiert werden. Dank des umfassenden Konzeptes, das die Mitglieder des OGVs vorbereitet hatten, einigte man sich rasch auf folgendes gemeinsames Vorgehen, dem anschließend in der Lehrerkonferenz einhellig zugestimmt wurde:
Entsprechend den Entwicklungsstadien der Streuobstwiese im Jahreslauf wurde das Projekt in vier Phasen vom Obstbaumschnitt über die Blüte mit den Tieren auf der Wiese, bis hin zur Ernte der Obstbäume und der anschließenden Verwertung der Ernte eingeteilt. Jeder dieser Abschnitte wurde mit einer Jahrgangsstufe durchgeführt, die anschließend als Multiplikator für die anderen Jahrgangsstufen eingesetzt wurde.

Ganz im Sinne eines nachhaltigen Lernens nach dem Kompetenzstrukturmodell  (https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachprofil/grundschule/hsu) des Faches HSU sollte jedes Kind die Möglichkeit erhalten, selbst zu handeln und umzusetzen, zu erkennen und zu verstehen, zu reflektieren und zu bewerten, eigenständig und mit anderen zusammenzuarbeiten, zu kommunizieren und zu präsentieren sowie Fragen zu stellen.

So starteten die letztjährigen dritten Klassen im März mit der ersten Phase, dem Schneiden der Obstbäume unter der fachkundigen Anleitung von Herrn Steinbrich und Herrn Segschneider zunächst im Klassenzimmer mit der Theorie. Gekonnt durch eine PowerPointPräsentation des OGVs veranschaulicht erfuhren die Schüler/innen alles Wissenswerte. Danach gingen die Klassen ausgestattet mit Fotoapparaten und Tablets zu den Obstbäumen auf dem Schulgelände und in der näheren Umgebung. Das Ergebnis der Arbeit, die fachmännisch geschnittenen Obstbäume, wurde anschließend perfekt in einer Präsentation für die anderen Klassen zusammengefasst und sieht beispielsweise bei der 3c so aus:

Foto privat

vorher nachher

Fotos privat

Der gewünschte Nebeneffekt dieser eigenständig erstellten PPP besteht darin, dass sich die Mädchen und Jungen durch Theorie und Praxis Gelerntes besser einprägen können und anschließend nach mehrmaligem Präsentieren in den anderen Klassen nachhaltig verinnerlichen. Darüber hinaus motiviert die Präsentation der Drittklässler die anderen Jahrgangsstufen ungemein mehr als jeder Lehrervortrag, sich selbst mit dem Thema zu befassen.
So begannen die letztjährigen vierten Klassen mit dem Knowhow dieser Präsentation ihrer Mitschüler/innen aus den dritten Klassen im Juni 2018 wiederum mit der theoretischen Ausführung durch einen Naturfilm von Herrn Röhrle zum Thema „Flora und Fauna der Streuobstwiesen und ihre Bedeutung für unsere Kulturlandschaft“ und widmeten sich insbesondere den Pflanzen und Heilkräutern der Streuobstwiese. Vor Ort auf der Streuobstwiese richtete Herr Röhrle den Blick der Mädchen und Jungen auf Kräuter wie die Schafgarbe, Johanniskraut oder Spitzwegerich und leitete sie an, diese anhand vorgegebener Merkmale zu bestimmen und zu benennen. Wiederum dokumentierten die Schüler/innen alles mit Tablets und Fotoapparaten, die die Grundschule Niederndorf jedes Mal freundlicherweise zur Verfügung stellte. Dafür möchte sich die Grundschule Weisendorf auch an dieser Stelle ausdrücklich bedanken. Unser Dank gilt auch unserer Systembetreuerin Frau Pöverlein, die sich stets um die technischen Voraussetzungen kümmerte und dafür sorgte, dass die Apparate rechtzeitig einsatzbereit vor Ort waren.

Als Abschluss der Phase 2, der Flora und Fauna der Streuobstwiese, gaben die Viertklässler ihr Wissen durch eigene Fotos festgehalten in den anderen Klassen weiter. So konnten alle Kinder sicherstellen, dass die gleichen Bäume, die vor wenigen Wochen kahl geschnitten wurden, nun im Juni reiche Blüten trugen und gewissermaßen bereit waren für Phase 3, der Ernte.
Der Natur der Sache nach mussten die Kinder allerdings bis nach den Sommerferien warten, ehe das Projekt Streuobstwiese nun Anfang Oktober mit den letztjährigen ersten Klassen mit der Ernte fortgesetzt werden konnte.

Fotos privat

Dank der reichen Apfelernte konnten die jetzigen Drittklässler viele Liter Apfelsaft pressen.

Dabei wurden die verschiedenen Apfelsorten beim Namen genannt und von allen Kindern fleißig durchprobiert:

Fotos privat

Wie wichtig der Apfel für den Menschen ist, unterstreicht sogar die Literatur mit Janoschs Buch „Das Apfelmännchen“. Auf die Bühne in der Herz-Aula der Grundschule brachte das der hiesige Schauspieler Stefan Kügel mit seinen Puppen aus dem Theater „Kuckucksheim“. Das Stück bildete den Auftakt für den Abschluss des kooperativen Projekts.

Foto privat

Schließlich hatten an einem Freitagnachmittag alle Eltern, Freunde und Verwandten der Schüler/innen die Möglichkeit, sich vom Lernzuwachs der Kinder selbst zu überzeugen. Die Schule verwandelte sich in ein Erlebniszentrum rund um die Streuobstwiese, allen voran rund um den Apfel. In der Herz-Aula waren alle Gäste eingeladen zu verweilen, zu probieren und alles rund um den Apfel zu genießen: Apfelwaffeln, Apfelkuchen, Apfelmus, Apfelchips u. v. m. Die Schulturnhalle verwandelte sich regelrecht in einen Klettergarten, auf dem Pausenhof konnte man sich in die Wünsche der Kinder am „Luther-Apfelbaum“ vertiefen oder auch ganz frisch reichhaltigen Apfelsaft selber pressen.
In der Grundschule II gab es viel Wissenswertes beim Stand des Obst- und Gar-tenbauvereins, beim Imker Herrn Neumeier, bei Herrn Röhrles Film oder bei verschiedenen Fotopräsentationen bzw. Filmen der Klassen. Den Apfelbaum im Jahreskreis als Kalender künstlerisch gestaltet konnte man gegen Spende erwerben, Apfel-Windlichter oder Apfeldeko mit Wurm selbst gestalten, bei einem schmackhaften Apfelmüsli konnten Mandalas ausgemalt oder diverse Spiele rund ums Obst durchgeführt werden.

Schließlich berichtete tags darauf die Presse davon, dass sich alles „in der Weisendorfer Grundschule … um den Apfel dreht.“

Für so viel Zusammenarbeit, so viel Engagement und ehrenamtlichen Einsatz bedankte sich das Lehrerkollegium im Rahmen einer Konferenz bei den Hauptinitiatoren, Herrn Segschneider und Herrn Steinbrich, und überreichte eine Spende für den Obst- und Gartenbauverein sowie als „Dankeschön“ den Kalender für 2019 vom Apfelbaum im Jahreskreis.

Foto privat

Welch’ bleibenden nachhaltigen Eindruck das gesamte Projekt bei der Schülerschaft hinterlässt, unterstreicht der folgende Text einer Drittklässlerin:

Weisendorf, 26.11.2018